Brave New World

Gestaltungsfreiheiten und Machtmuster soziotechnischer Systeme

28. bis 30. September 2018 · TU Berlin, Mathematikgebäude

Eine Konferenz des FIfF e. V.
Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung

Videos


Die #FIfFKon18 findet im Rahmen
der Privacy Week Berlin statt.

Die Konferenz

Viele Produkte, Entwicklungen und Einsatzfelder der Informatik scheinen sich unausweichlich und technisch notwendig so entwickelt zu haben, wie wir sie heute kennen. Seien es die Mechanismen sozialer Netzwerke, der aktuelle Ansatz Künstlicher Intelligenz, das Vorhandensein globaler IT-Monopole, zentralisierte Smart-City-Konzepte oder der wenig regulierte Adress- und Datenhandel. Technische Entwicklungen bauen aufeinander auf, aber finden natürlich nicht im luftleeren Raum statt. Es gibt immer verschiedene Wege, ein Problem anzugehen und entsprechend Ressourcen für dessen Lösung aufzuwenden.

Oftmals liegen den tatsächlichen Entwicklungen gerade keine primär technischen Überlegungen zu Grunde, sondern ökonomische oder politische Motive. Folglich ist es erhellend, Informatik- und Technikgeschichte auch unter diesen Aspekten zu betreiben. So können Entscheidungsalternativen oder Weggabelungen herausgestellt werden, um die dahinterliegenden Machtinteressen, aber auch die sachlichen wie sozialen Dynamiken und Zwänge freizulegen. Dieses Wissen ermöglicht es dann, heutige technische Entwicklungen und Weichenstellungen besser zu verstehen.

Doch wir wollen nicht nur passiv analysieren, sondern aktiv an aktuellen und zukünftigen tiefgreifenden Veränderungen mitwirken, denn die Informatik ist immer auch Gestaltungsdisziplin – weit über die reine Technik hinaus. Wir wollen also mithelfen, die stetige Digitalisierung und Vernetzung der Gesellschaft so mitzuprägen, dass die Freiheit des Individuums und das Wohl der Gesellschaft im Vordergrund jeglicher Technikentwicklung und ihres Einsatzes stehen – sowohl in unseren Endgeräten und Anwendungen als auch in unserer digitalen Infrastruktur.

Wir wollen Sichtweisen und konkrete Wege erarbeiten, auf welche Weise nicht-technische Werte wie demokratische Teilhabe, Freiheit und Selbstbestimmung, Pluralismus von Lebensentwürfen und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen genauso in technischen Systemen und den politischen Entscheidungen darüber Eingang finden, wie die Verhinderung verdeckter Machtzentren, die Bekämpfung von Diskriminierung und struktureller Benachteiligung, Privatisierung staatlicher Kernaufgaben. Wir wollen keine smarten Privatstädte mit herrlichem Kundenerlebnis, sondern lebendig-diverse Städte mit emanzipierten BürgerInnen. Wir wollen keine zentralisierten Infrastrukturen, die von globalen, intransparenten Konzernen betrieben werden, sondern dezentralisierte und selbstverwaltete Systeme. Wir wollen unsere Kommunikationsmittel nicht von Geheimdiensten und Militär durchdrungen wissen, sondern integre und vertrauliche Systeme mit Respekt sowie Vertrauen in Menschen und ihre Grundrechte. Wir wollen diese Werte konkret realisiert sehen.

Die Informatik erlaubt all dies in ihren Systemen. Wir müssen die Freiheitsgrade der Technik ausnutzen, aber vor allem müssen wir den politischen Willen dafür aufbringen. Wir wollen tatsächlich mutig sein und mit dieser Konferenz dazu beitragen, eine neue, bessere Welt für alle Menschen zu erdenken um sie dann zu bauen.

Vorträge

Die offizielle #FIfFKon18-App kann unter folgenden Links heruntergeladen werden:

-> Google Play
-> Direkter apk-Download für ExpertInnen

FR 28.09.2018

 

Moderation

Konrad Spremberg

16:00 Uhr

Eröffnung

Von und mit der FIfFKon-Kernorga und dem FIfF-Vorsitzenden Stefan Hügel

Video

16:30 Uhr

Welt ➡ Modell ➡ Einschreibung ➡ Welt'

Gehalten von Daniel Guagnin und Jörg Pohle

Die Welt ist nicht vom Himmel gefallen – sie wird gemacht, von sozialen Akteuren mit Interessen und gerade auch mit Hilfe von Informatiksystemen. In einer sozio-informatischen Kooperation entwickeln die Referenten ein Framework für die Analyse und Gestaltung von Informatiksystemen, die die zugrunde gelegten und eingeschriebenen Annahmen, Reduktionen und Setzungen aufdecken und hinterfragen hilft. Technik ist gestaltbar und muss gestaltet werden – gestalten wir sie!

Video

17:30 Uhr

Cyber-Sicherheit in der Digitalisierung – eine Herausforderung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft

Gehalten von Florian Schumacher, Timo Hauschild

Cyber-Sicherheit stellt eine Vorbedingung für das Gelingen der Digitalisierung dar. Dass die Gewährleistung von Sicherheit im digitalen Raum eine zentrale Herausforderung darstellt, zeigt der Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland des BSI in jedem Jahr eindrücklich.

Das BSI arbeitet mit verschiedenen Akteuren aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam daran, den Risiken wirksame und umsetzbare Sicherheitsmaßnahmen entgegenzusetzen und die Widerstandsfähigkeit Deutschlands gegen Cyber-Gefahren zu erhöhen. Herr Florian Schumacher, Referent für Cyber-Sicherheit für die Gesellschaft, wird in seinem Vortrag u.a. auf die aktuelle Cyber-Sicherheitslage in Deutschland eingehen, die Rolle des BSI als die nationale Cyber-Sicherheitsbehörde vorstellen sowie die Aktivitäten als gesellschaftlicher Gestalter von Cyber-Sicherheit präsentieren.

Video

18:30 Uhr

Digitale Entmündigung und „UserExperience Design“. Über Nudging, Tracking und Infantilisierung im Netz

Gehalten von Rainer Mühlhoff

Die letzten 10 Jahre haben nicht nur den Durchbruch von Smartphones, Cloud-Diensten und Künstlicher Intelligenz gebracht. Zeitgleich ist im Netz eine universelle Infrastruktur zum Sammeln von Bewegungs- und Nutzungsdaten entstanden, der zu entkommen längst auch für versierte User schwierig geworden ist.

Mein Vortrag wird sich mit den gesellschaftlichen Folgen und sozialen Dimensionen dieser Datenaggregation beschäftigen. Eine zentrale Rolle spielt dabei – vielleicht unerwartet – ein genauerer Blick auf die Praktiken des User Experience Designs. Ich werde verschiedene Tricks diskutieren, wie kommerzielle Akteure ihre Nutzer dazu bringen, oft unwissentlich ihre Daten zur Verfügung zustellen. Ich werde diskutieren, wie diese Daten dazu verwendet werden, Nutzerverhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Unter dem Schlagwort „digitale Entmündigung“ werde ich argumentieren, dass es in der aktuellen Netzkultur eine systematische Tendenz dazu gibt, die User ihrer Fähigkeit zum verständigen und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Diensten zu berauben. Mit Blick auf die Datenschutzdebatte werde ich schließlich das politische Problem massenweiser, prinzipiell auch anonymisierter Datensammlung scharfstellen und auf die Dimension sozialer Ungleichheit und automatisierter Selektion eingehen, die durch prädiktive Verhaltensanalytik und Profilbildung möglich wird.

Video

19:30 Uhr

Abendpause

Speis & Trank

20:15 Uhr

Die Grenzen der Automation durch Künstliche Intelligenz: Wie wissen wir, was automatisiert werden kann und was nicht?

Gehalten von Hendrik Heuer und Karen Ullrich

Während in Statistikkursen ausdrücklich davor gewarnt wird, eine Regressionsanalyse für Bereiche einzusetzen, die außerhalb des Messbereichs liegen, werden die Limitationen von Machine Learning-System selten problematisiert.

Insbesondere in populärwissenschaftlichen Darstellungen und außerakademischen Anwendungen fehlt eine Sensibilität für die Grenzen der Systeme und mögliche Verzerrungen, die durch Daten und Modellierungsannahmen entstehen können. An konkreten Beispielen zeigen wir die Probleme der Annahme, dass Machine Learning-Systeme universell einsetzbar sind.

Video

21:00 Uhr

Podiumsdiskussion zum Thema künstliche Intelligenz

Mit Aljoscha Burchardt, Constanze Kurz, Sybe Rispens und Karen Ullrich

Eine Diskussionsrunde über theoretische Grenzen, praktische Möglichkeiten und den politische Diskurs um den KI-Einsatz. Es wird auch um Machtfragen gehen und wer die nötige Daten für ihren Einsatz hat. Wem nützt KI überhaupt und was stellen die Firmen und Staaten damit an?

Sollten wir uns primär technisch mit KI beschäftigen oder eher mit denen, die sie für ihre Zwecke nutzen? Zuletzt wird es auch um die Eckpunkte der KI-Strategie der Bundesregierung und um die KI-Enquete des Bundestages gehen? Worüber wird dort gesprochen, worüber nicht? Worüber sollte dort gesprochen werden? Drei ausgewiesene Expertinnen durchdenken diese und andere Fragen gemeinsam mit dem Publikum.

Video

22:00 Uhr

Bunte Bar, Lounge und Musik

DJs: Benks · carlo von lynX

SA 29.09.2018

 

Moderation

Andrea Knaut

10:00 Uhr

Konstellationen neu verteilter Gestaltungsmacht – Lehren für die Informatik?

Gehalten von Werner Rammert

Wer oder was gestaltet eigentlich auf welche Weise die Produkte der Informatik? Wie verteilen sich die Machtkonstellationen von der Entwicklung über die Einrichtung bis hin zur massenhaften Nutzung jeweils neu?

Sind es die Visionäre und Pioniere der Informatik? Oder die Entrepreneure disruptiver Innovation? Oder die politischen Regulierer demokratisch legitimierter Repräsentanten oder autokratischer Regime? Oder die Masse der User und ihre alltäglichen Praktiken? Diese großen Fragen werden anhand kleiner Fallstudien zur Konstruktion von Expertensystemen, zur Sozionik verteilter Agenten und zum Profiling in Überwachungssituationen exemplarisch geklärt.

Video

11:00 Uhr

Besser steuern durch mehr Daten? - Zur Performativität soziotechnischer Systeme und der Quantifizierung der sozialen Wirklichkeit

Gehalten von Anne K. Krüger, Judith Hartstein und Felicitas Hesselmann

Während die Einen von der Lösung gravierender Menschheitsprobleme träumen, warnen Andere vor einer allumfassenden Überwachung durch die neuen Möglichkeiten soziotechnischer Systeme. Doch steht sowohl hinter der Utopie des Solutionismus als auch hinter der Dystopie totaler Überwachung die Frage, warum, wofür und wie die dazu notwendigen Daten überhaupt produziert und genutzt werden.

Lassen sich durch viele neue Daten jetzt ganz viele alte Probleme lösen? Oder werden wir alle von den Daten gegen unseren Willen fremdbestimmt? In unserem Vortrag gehen wir aus einer soziologischen Perspektive heraus den Problemen der neuen Möglichkeiten von Datenproduktion und -nutzung nach und fragen danach, was passiert, wenn wir soziale Wirklichkeit nur noch durch die Daten sehen, die durch soziotechnische Systeme produziert werden.

Video

12:00 Uhr

Die DSGVO: Eine kommentierte Reise durch die (Un)Tiefen des juristischen Feuilletons – Launige Bilanz nach vier Monaten Geltung

Gehalten von Kirsten Bock und Malte Engeler

Vom Foto-Verbot zum Ende strukturierter Visitenkartensammlungen. Vom großen Blogsterben zu Zahnärzten und ihren Datenschutz-Tonbandansagen. Von überforderten Aufsichtsbehörden zu jubelnden Silicon Valley Riesen:

Die DSGVO hat all den bekannten Kontroversen des Datenschutzrechts neuen Diskussionsstoff gegeben. Die Twitter-Szene hat die großen, kleinen (und vermeintlichen) Aufreger dankend aufgegriffen. Kirsten Bock und Malte Engeler begeben sich anhand ausgewählter Tweets auf eine kommentierte Twitter-Reise durch die Untiefen des DSGVO-Wahnsinns.

Video

13:00 Uhr

Mittagspause

Speis & Trank

14:00 Uhr

Empire and Power: The Forgotten History of the Internet as a Weapon — From the Vietnam War to Donald Trump. (en)

Gehalten von Yasha Levine

The “weaponization of the internet” — it’s suddenly a hot topic these days. News of this weaponization dominates the news. Many believe that this is a new development: that the Internet, once a force of democracy and egalitarianism, has been hijacked malign forces. But the internet hasn’t just now become weaponized.

It has always been a weapon, going back to its emergence out of the Pentagon in the 1960s as the ARPANET. This talk will look at forgotten history of the Internet as a weapon, focusing on episodes that have been lost, forgotten, or culturally repressed — from Vietnam War Era counterinsurgency influences on data networks, to early opposition to the ARPANET as tool of military control, to Google and Silicon Valley, to Internet Freedom and privacy tools like the Tor Project.

Video

15:00 Uhr

Netzwerkdienste für sozial-liberale Gesellschaften

Gehalten von Christian Grothoff

Welche politischen Anforderungen könnten wir an neue Netzwerktechnik stellen? In diesem Vortrag sollen die politischen Anforderungskataloge für das GNU Name System und GNU Taler kurz vorgestellt werden. Danach zeigen wir, wie diese Anforderungen technisch umgesetzt wurden.

Video

16:00 Uhr

Jahresrückblick des FIfF

Präsentiert von Stefan Hügel, Benjamin Kees und Rainer Rehak

Eine freudige Panoramafahrt durch das FIfF-Jahr.

Video

17:15

Weizenbaum-Studienpreisvergabe des FIfF

Das FIfF möchte mit dem Weizenbaum-Studienpreis herausragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich „Informatik und Gesellschaft“ würdigen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das Thema sowie die Beiträge der AutorInnen lenken. Mit Kurzvorstellung der bepreisten Arbeiten.

Langbeschreibung, PreisträgerInnen der letzten Jahre.

Video

18:30 Uhr

Verleihung der Weizenbaum-Medaille des FIfF

Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) verleiht im Rahmen der FIfF-Konferenz in Berlin die Weizenbaum-Medaille 2018 an Prof. Dr. Wolfgang Coy für seine außerordentlichen Verdienste um das Themengebiet Informatik und Gesellschaft. Wir freuen uns auf einen Vortrag des Preisträgers.

Pressemitteilung, Preisträger: Wolfgang Coy, Laudatio

Video

19:30 Uhr

Abendpause

Speis & Trank

20:30 Uhr

Kybernetik und Kontrolle – Von der autoritären Nutzung von Daten in China und anderswo

Gehalten von Katika Kühnreich

In den letzten Monaten kam die Berichterstattung über die Einführung von Digitalen Gesellschaftlichen Bewertungssystemen (Social Credit Systems) in China in Fahrt, leider auch mit mancher Fehlberichterstattung.

Die Politikwissenschaftlerin und Sinologin Katika Kühnreich gibt in ihrem Vortrag eine Übersicht über existierende Systeme und ihre Funktionen. Doch sie bleibt nicht in China stehen, sondern wirft die Frage auf, wie stark die Tendenz zu Überwachung und autoritären Steuerung von Gesellschaften auch in westlichen Ländern existiert. Bei der Erörterung von sozialen und politischen Auswirkungen wird ein Schwerpunkt auf die Rolle der Kybernetik gesetzt.

Video

21:30 Uhr

Bunte Bar, Lounge und Musik

DJs: Zeitgeist · Fnord · Benks & #42 · Gregoa

SO 30.09.2018

 

Moderation

Elisa Lindinger

10:00 Uhr

Mitgliederversammlung

Öffentliche Mitgliederversammlung des FIfF, schaut vorbei.

11:00 Uhr

Völkerverständigung ist Volksmacht plus Vernetzung der ganzen Welt

Gehalten von Volker Grassmuck

Das Versprechen jeder Kommunikationsverbindung vom Telegraphen über das Radio bis zum Internet ist, dass die Angeschlossenen durch ihren Austausch zu einem gemeinsamen Verständnis kommen. Heute ist die Welt global vernetzt wie nie.

Doch statt Horizonterweiterung und Neugier auf Vielfalt erleben wir Xenophobie, Grenzschließungen und eine Internationale der Nationalisten. Die Koevolution von technischen, psychischen und sozialen Systemen läuft selten wie geplant. Wie kann da die Informatik ihrer Selbstverpflichtung nachkommen, Handlungsalternativen im Hinblick auf die absehbaren Wirkungen und möglichen Folgen ihrer Systeme aufzuzeigen?

Video

12:00 Uhr

Gemeinwohl, Demokratie und gute Arbeit in der digitalen Gesellschaft – Von Macht und Mitgestaltung

Gehalten von Annette Mühlberg

Manche Menschen kaufen sich ganze Städte oder Teile davon, doch der damit verbundenen Gestaltungsmacht ist bislang wenig entgegengesetzt worden. Denn es geht nicht – wie etwa bei Le Corbusier – um das Unterbringen der eigenen ArbeiterInnen, sondern viel wesentlicher um Macht und Kontrolle von Verkehr, Kommunikation, Energie und Arbeit kompletter urbaner Räume.

Technische Zentralisierung unterminiert etwa die rechtlich und politisch gebotene Gewaltenteilung und die Mitbestimmung von lokalen Behörden. Was also ist die demokratische Antwort darauf? Wir müssen neue Regularien finden, insbesondere auch für die Arbeitswelt mit ihren sehr bestimmenden Machtasymmetrien. Dies drückt sich u.a. auch ganz konkret in demokratisch auszuhandelnden Anforderungen an die dort verwendeten IT-Systeme aus. Fachleute aus Informatik, Recht oder Politik müssen dafür ebenfalls einbezogen werden.

Video

13:00 Uhr

Mittagspause

Speis & Trank

14:00 Uhr

POTs: The revolution will not be optimized? (en)

Gehalten von Seda Gürses

In the 90s, software engineering shifted from packaged software and PCs to services and clouds, enabling distributed architectures that incorporate real-time feedback from users. In the process, digital systems became layers of technologies metricized under the authority of objective functions.

These functions drive selection of software features, service integration, cloud usage, user interaction and growth, customer service, and environmental capture, among others. Whereas information systems focused on storage, processing and transport of information, and organizing knowledge —with associated risks of surveillance— contemporary systems leverage the knowledge they gather to not only understand the world, but also to optimize it, seeking maximum extraction of economic value through the capture and manipulation of people’s activities and environments. The ability of these optimization systems to treat the world not as a static place to be known, but as one to sense and co-create, poses social risks and harms such as social sorting, mass manipulation, asymmetrical concentration of resources, majority dominance, and minority erasure. In the vocabulary of optimization, these harms arise due to choosing inadequate objective functions. During the talk, I will provide an account of what we mean by optimization systems, detail their externalities and make a proposition for Protective Optimization Technologies.

Video

15:00 Uhr

Virtueller Einbruch: Update des Staatstrojaners

Gehalten von Constanze Kurz

Das erste höchstrichterliche Urteil zum Staatstrojaner stammt schon aus dem Jahr 2008. Seither konnten keine Bundesregierung und kein Innenminister von dem Vorhaben lassen, zu versuchen, das staatliche Hacking in das Arsenal der Ermittlungswerkzeuge aufzunehmen.

Die In der letzten Legislaturperiode nun wurde der Staatstrojaner als normales Ermittlungsinstrument für Dutzende Straftaten erlaubt. Die technisch ziemlich komplexe Aufgabe, einen Staatstrojaner zur Anwendung zu bringen, bereitet den Behörden bis heute Probleme. Und viele ungelöste Fragen bestehen vor und beim Einsatz der Schadsoftware noch immer. Der Vortrag gibt einen Überblick über den Stand der Dinge bei deutschen Staatstrojanern und spart natürlich auch nicht mit Forderungen, was zu tun wäre.

Video

15:55 Uhr

Abschlussveranstaltung

Schlussworte und Reflexionen

Workshops

SA 29.09.2018

10:00 - 13:00 Uhr

Datenschutzfreundliche Smartphone-Anwendungen ohne Kompromisse? – Diskussion und Projektschaukasten.

Mit Daniel Guagnin, App-PETs Projekt (BMBF)

Diskussion und Projektschaukasten des BMBF Projekts App-PETS

Wir beginnen mit einer Diskussionsrunde mit dem Titel: Mehr Datenschutz für Smartphones - bringt uns die DSGVO endlich einen Durchbruch?

Seit langer Zeit werden technische Datenschutzlösungen entworfen und entwickelt, aber häufig mangelt es an der produktiven Einbindung in konkrete Produkte und marktfähige, leicht nutzbare Produkte für Endanwender*innen. Die neue Datenschutzregulierung wendet sich nun auch an die Produkthersteller und schreibt Datenschutz durch Technikgestaltung vor. - Wie wirkt sich das aus auf Markt und Entwicklung?

Mit Expertinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Recht wollen wir unter anderem über folgende Fragen diskutieren:

  • Wie ist der aktuelle Stand bezüglich des Datenschutzes auf mobilen Geräten?
  • Ist Datenschutz weiter nur etwas für Idealisten oder ein echtes Geschäftsinteresse?
  • Wie haben sich rechtliche Vorgaben verändert und wie wirkt sich das auf Entwicklung und Markt aus?
  • Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen, die Datenschutz auch technisch umsetzen möchten?

Es diskutieren mit uns:

  • Seda Gürses, KU Leuven/NYU
  • Harald Zwingelberg, Unabhängiges Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein
  • Wulf Bolte, Gründer und CTO im Bereich Datenschutz, Media Test Digital
  • Gregoire Marino, Trust & Safety Beauftragter, Clue/Biowink
  • Tobias Müller, UHH Hamburg

Moderation: Judith Hartstein, DZHW Berlin (angefragt)

Anschliessend gibt es einen Projektschaukasten: Aktuelle Lösungsansätze für mobilen Datenschutz

Eine Reihe von Projekten beschäftigen sich aktuell mit Lösungsansätzen für mehr Datenschutz im Bereich mobiler Anwendungen. Einige Forschungsprojekte werden daher ihre Ansätze präsentieren. In einer Einstiegsrunde werden die Projekte kurz vorgestellt, anschließend stehen die einzelnen Projekte mit Demonstratoren oder Postern für Fragen zur Verfügung.

Vorgestellte Projekte:

Das App-PETS Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

14:00 - 15:30 Uhr

Datengovernance by Design - Leitfragen zu Lokationsdaten

Mit Dieter Klumpp

Die Leitfragen zur Datengovernance in der Digitalmobilität behandeln übergreifend zahlreiche Schwerpunkte, die in der aktuellen Forschung und Diskussion als Teil einer entstehenden umfassenden Digitalordnung analysiert werden. Im FIfF-Workshop wollen wir zu allen Themen der Datengovernance entsprechende weitere Leitfragen rund um die Lokationsdatenverarbeitung formulieren und diskursiv in Forschungsprojekte einbringen..

Die thematischen und disziplinären Schnittmengen für: Recht, Informatik, Sozialwissenschaft und Philosophie sind ‚Datengovernance on Design‘ ebenso gefordert wie die Betriebswirtschaft. Nicht zuletzt müssen auch makroökonomische Fragen zu Rahmenbedingungen bei Monopolen in der Digitalökonomie und Begrenzungen des Wettbewerbs gestellt und von der Forschung beantwortet werden.

Als exemplarische Beispiele für Leitfragen können einige (vgl. NOSPY2017) zu den generell erfassten Lokationsdaten dienen:

  • Sollte in Abwägung der vorhandenen Geschäftsmodelle ein Basisdienst für Fahrzeug-Lokationsdaten z.B. in einer Treuhänderorganisation entwickelt werden, um den erforderlichen Datenschutz by Design sicherzustellen?
  • Sollten für die notwendige Zusammenarbeit der europäischen Hersteller, Ausrüster und Betreiber die kartellrechtlichen EU-Rahmenbedingungen in voller Transparenz sichergestellt werden?
  • Sollte der Datenhandel privater Anbieter mit personalisierbaren Lokationsdaten streng reglementiert oder sogar verboten werden?
  • Sollten Modelle wie OpenStreetMap angesichts der EU-Urheberrechtsreform unter transparenten und klaren Rahmenbedingungen für Anwendungen im Lokationsdatendienst unterstützt werden?
  • Sollte eine mit Big Data und Künstlicher Intelligenz mögliche rechnerautonome Erzeugung von Anfangsverdachten aufgrund Lokations-Tracking speziell in Echtzeit unterbunden werden?

15:30 - 17:00 Uhr

Selbst eine CryptoParty veranstalten, aber wie?

Mit Cryptoparty Berlin

Ihr habt schonmal überlegt eine CryptoParty selbst zu veranstalten?

Das muss gar nicht so viel Arbeit sein, vor allem wenn mensch dafür an eine Community andocken kann die das bereits seit 2012 regelmässig macht. Dafür möchten wir uns mit euch zusammen setzen und in möglichst kleinen Gruppen Erfahrungen austauschen.

Wir sind eeinschine offene, dezentrale und globale Bewegung und unsere „Guiding Principles“ sind:

  • Seid grossartig zueinander
  • Tut Dinge
  • politisch und kommerziell unabhängig
  • mit Anti-Harassment Policy

Für mehr CryptoParties in Berlin und anderswo.

Für mehr Privatsphäre im Internet.

Für einen einen tollen Workshop mit euch.

20:15 - 21:30 Uhr

Können Softwarelizenzen zur Cyberrüstungskontrolle beitragen?

Mit Volker Roth

In diesem Workshop diskutieren wir die Frage, ob und inwieweit Softwarelizenzen dazu beitragen können, die Aufrüstung des Cyberraumes zu kontrollieren oder zu begrenzen, Cyberangriffe zu attributieren und die Effekte von Cyberangriffen auf zivile Ziele einzugrenzen, so wie das Völkerrecht dies verlangt.

Wir gehen von der Annahme aus, dass freie und quelloffene Software (FOSS) sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich eine zunehmende Bedeutung erlangt und wagen ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn ein substanzieller Anteil der Software, die derzeit unter einer FOSS Lizenz steht, zu einer Lizenz mit einer Ausschlussklausel für militärische Nutzung wechseln würde? Wenn dies dazu führen würde, dass militärische und zivile Systeme in ihrer Entwicklung divergieren, und auch deren Schwachstellen divergieren, dann würde der Umstand eines erfolgreichen Cyberangriffes bereits die Art des Zieles identifizieren. Die Nutzung einer Schwachstelle in einem zivilen System, die nicht gegen ein militärisches System funktioniert, würde daher erkennbar das Völkerrecht verletzen. Der irrtümliche Angriff eines falsch identifizierten Zieles wäre somit ausschliessbar. Im Rahmen dieser Diskussion betrachten wir exemplarisch existierende Ausschlussklauseln für militärische Nutzung von Software und zeigen auf, wo weiterer Forschungsbedarf besteht, um das Potential der genannten Lizenzanwendung zu ergründen. Wir diskutieren weiterhin, inwieweit die Nichtbeachtung von Ausschlussklauseln für Staaten ein Vorteil oder ein Nachteil darstellen könnte. Ausserdem diskutieren wir die Frage, wie militärische Nutzung und zivilen Nutzung in einem Lizenztext voneinander abgegrenzt werden könnten.

ReferentInnen

Kirsten Bock

Datenschutzjuristin · Standard-Datenschutzmodell, Grundrechte-fokussierte Verfahren

Aljoscha Burchardt

Computerlinguist · Deutsches Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz

Wolfgang Coy

Informatiker – Informatik und Gesellschaft, Informatikgeschichte, Turing-Galaxis

Cryptoparty Berlin

Crypto crypto · party party

Malte Engeler

Datenschutzjurist · Richter, Datenschutztheorie

Volker Grassmuck

Mediensoziologe · Infrastrukturen öffentlich-rechtlicher Medien, Publizist

Christian Grothoff

Softwarearchitekt · IT-Security, Privacy, GNUnet/GNU-Taler

Daniel Guagnin

Soziologe · Freie/Libre Open Source Software Communities, Privacy und Datenschutz

Seda Gürses

Informatikerin · Privatsphäre, Plattformen und IT-Design

Judith Hartstein

Wissenschaftsforscherin · Wissensproduktion, Publikationsnetzwerke

Felicitas Hesselmann

Soziologin, Kriminalsoziologin, Wissenschaftsforscherin

Hendrik Heuer

KI-Wissenschaftler · Verzerrungen (Bias) in Daten und Modellen

Dieter Klumpp

Wissenschaftspublizist · Diskursexperte

Andrea Knaut

Informatikerin · kritische Biometrie, Didaktik der Informatik, Informatik und Gesellschaft

Anne K. Krüger

Kultur- und Wissenssoziologin · Bewertungsprozesse in sozialen Kontexten

Katika Kühnreich

Politikwissenschaftlerin und Sinologin · Social Credit System in China

Constanze Kurz

Informatikerin · kritische Informatik, Chaos Computer Club, Netzpolitik.org, Autorin

Yasha Levine

Investigativer Journalist · Autor “Surveillance Valley"

Elisa Lindinger

·

Annette Mühlberg

Gewerkschafterin · Projektgruppe „Digitalisierung“ bei ver.di, gemeinwohlorientierte Smart City

Rainer Mühlhoff

Philosoph & Informatiker · kritische Theorie, Machttheorie und Subjektivität

Jörg Pohle

Informatiker · Informationsmacht, Datenschutzhistorie und Modellifizierungsforschung

Werner Rammert

Techniksoziologe · Bedingungen der Technikentwicklung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft

Volker Roth

Informatiker · IT-Sicherheit und Gesellschaft, Psychologie

Konrad Spremberg

Freier Moderator und Radiojournalist · Berichtet regelmäßig über Digitalisierung und Netzkultur

Florian Schumacher

IT-Sicherheit · Cyber-Sicherheit für die Gesellschaft, BSI

Karen Ullrich

KI-Wissenschaftlerin · probabilistisches maschinelles Lernen (Schnittstelle grafische Modelle und Deep Learning)

Das FIfF





Liebe Interessierte,

unser Verein gründete sich vor 34 Jahren aus einer historischen Situation heraus, als es galt, das Schweigen einer Zunft zu brechen, die so maßgeblich an der Entwicklung automatisierter und informatisierter Kriegsführung beteiligt war. Die Gründungsmitglieder leisteten dem NATO-Doppelbeschluss offen Widerstand, sie wollten die Informations- und Kommunikationstechnologie vor allem als Mittel der Völkerverständigung genutzt wissen.

Wir sehen uns bei all der um sich greifenden und ausufernden Technikgläubigkeit in der Verantwortung, auf die Missstände einer von der Informatik geprägten Gesellschaft hinzuweisen und an der humanitären Gestaltung der »Digitalen Gesellschaft« konstruktiv mitzuwirken.

Mit dieser Konferenz führen wir vom FIfF e. V. gemeinsam mit Ihnen unser politisches und wissenschaftliches Engagement fort.

Wir wollen ...

... dass Informationstechnik im Dienst einer lebenswerten Welt steht. Deshalb

  • warnen wir die Öffentlichkeit vor Entwicklungen in unserem Fachgebiet, die wir für schädlich halten;
  • setzen wir möglichen Gefahren eigene Vorstellungen entgegen;
  • kämpfen wir gegen den Einsatz der Informationstechnik zur Kontrolle und Überwachung;
  • engagieren wir uns für eine Abrüstung der Informatik in militärischen Anwendungen;
  • fördern wir die Entwicklung von ökologisch verträglichen Wirtschaftskreisläufen mit Hilfe von Informationstechnik;
  • unterstützen wir die menschengerechte Gestaltung von Arbeitsprozessen;
  • setzen wir uns bei Gestaltung und Nutzung der Informationstechnik für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen ein;
  • arbeiten wir gegen die Benachteiligung von Frauen in der Informatik;
  • wehren wir uns gegen jegliche rassistische und sexistische Nutzung oder andere diskriminierende Nutzung der Informationstechnik;
  • setzen wir der Vorherrschaft der Ökonomie eine humane und ökologische Orientierung entgegen.

Wir sind ...

... etwa 700 engagierte Menschen aus Wissenschaft und Praxis. Wir sind Fachleute der Informatik und Informationstechnik. Wir denken bei unserer Arbeit auch über deren Konsequenzen nach. Wir wissen, dass nicht alle Probleme technisch lösbar sind. Wir heißen alle willkommen, die Informationstechnik verwenden oder sich Gedanken über ihre gesellschaftliche Rolle machen.

Diese Konferenz veranstalten wir in freundlicher Kooperation mit dem CCC (Fundament), dem c3voc (Mitschnitte), mit d1zz1 (Licht und Lounge), dem Fachbereich Informatik und Gesellschaft und der Fachgruppe Informatik und Ethik der Gesellschaft für Informatik (Reisekraft) sowie Uberspace.de (Webhosting).

Allen, die sich mit Informatik und Informationstechnik beschäftigen – in der Ausbildung im Beruf oder danach, in Wissenschaft und Praxis – wollen wir ein Forum für eine kritische und lebendige Auseinandersetzung bieten – offen für alle, die mitarbeiten möchten oder auch einfach nur informiert bleiben wollen.

Unsere Arbeit wird vom FIfF-Vorstand koordiniert. In wissenschaftlichen Fragen unterstützt uns der Beirat des FIfF. Wir kooperieren mit zahlreichen in- und ausländischen Initiativen und Organisationen.

In zahlreichen Veröffentlichungen dokumentieren wir unsere Arbeit. Die kritische Computerzeitung FIfF-Kommunikation erscheint vierteljährlich. Aktuelle Informationen und Diskussionen gibt es in der FIfF-Mailing-Liste.

Alle unsere Werke und Veranstaltungen atmen den Geist des Humanismus; Diskriminierungen gleich welcher Art haben dort folglich keinen Platz und werden auch nicht toleriert.

Mitglied werden

Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert, findet hier unsere Satzung und ein Anmeldeformular.

Weitere Informationen ...

... sowie Publikationen aus der Wissenschaftsdisziplin »Informatik & Gesellschaft« findet ihr auf unserer offiziellen Webseite unter www.fiff.de.

Unsere Konferenzen und Jahrestagungen der letzten Jahre

Anmeldung!

Die Konferenz kostet keinen Eintritt, damit wir aber ein wenig planen können, würden wir uns über eine Anmeldung sehr freuen.

Kontakt

#FIfFKon18

TU Berlin, Mathematikgebäude
Straße des 17. Juni 136
10587 Berlin
Ort bei OpenStreetMap anzeigen.

FIfF

Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e. V.
Goetheplatz 4
28203 Bremen

E-Mail

Presse:
Die Datenschutzerklärung findet sich hier.
Twitter: @fiffkon