Brave New World

Gestaltungsfreiheiten und Machtmuster soziotechnischer Systeme

28. bis 30. September 2018 · TU Berlin, Mathematikgebäude

Eine Konferenz des FIfF e. V.

Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung

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Die Konferenz

Viele Produkte, Entwicklungen und Einsatzfelder der Informatik scheinen sich unausweichlich und technisch notwendig so entwickelt zu haben, wie wir sie heute kennen. Seien es die Mechanismen sozialer Netzwerke, der aktuelle Ansatz Künstlicher Intelligenz, das Vorhandensein globaler IT-Monopole, zentralisierte Smart-City-Konzepte oder der wenig regulierte Adress- und Datenhandel. Technische Entwicklungen bauen aufeinander auf, aber finden natürlich nicht im luftleeren Raum statt. Es gibt immer verschiedene Wege, ein Problem anzugehen und entsprechend Ressourcen für dessen Lösung aufzuwenden.

Oftmals liegen den tatsächlichen Entwicklungen gerade keine primär technischen Überlegungen zu Grunde, sondern ökonomische oder politische Motive. Folglich ist es erhellend, Informatik- und Technikgeschichte auch unter diesen Aspekten zu betreiben. So können Entscheidungsalternativen oder Weggabelungen herausgestellt werden, um die dahinterliegenden Machtinteressen, aber auch die sachlichen wie sozialen Dynamiken und Zwänge freizulegen. Dieses Wissen ermöglicht es dann, heutige technische Entwicklungen und Weichenstellungen besser zu verstehen.

Doch wir wollen nicht nur passiv analysieren, sondern aktiv an aktuellen und zukünftigen tiefgreifenden Veränderungen mitwirken, denn die Informatik ist immer auch Gestaltungsdisziplin – weit über die reine Technik hinaus. Wir wollen also mithelfen, die stetige Digitalisierung und Vernetzung der Gesellschaft so mitzuprägen, dass die Freiheit des Individuums und das Wohl der Gesellschaft im Vordergrund jeglicher Technikentwicklung und ihres Einsatzes stehen – sowohl in unseren Endgeräten und Anwendungen als auch in unserer digitalen Infrastruktur.

Wir wollen Sichtweisen und konkrete Wege erarbeiten, auf welche Weise nicht-technische Werte wie demokratische Teilhabe, Freiheit und Selbstbestimmung, Pluralismus von Lebensentwürfen und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen genauso in technischen Systemen und den politischen Entscheidungen darüber Eingang finden, wie die Verhinderung verdeckter Machtzentren, die Bekämpfung von Diskriminierung und struktureller Benachteiligung, Privatisierung staatlicher Kernaufgaben. Wir wollen keine smarten Privatstädte mit herrlichem Kundenerlebnis, sondern lebendig-diverse Städte mit emanzipierten BürgerInnen. Wir wollen keine zentralisierten Infrastrukturen, die von globalen, intransparenten Konzernen betrieben werden, sondern dezentralisierte und selbstverwaltete Systeme. Wir wollen unsere Kommunikationsmittel nicht von Geheimdiensten und Militär durchdrungen wissen, sondern integre und vertrauliche Systeme mit Respekt sowie Vertrauen in Menschen und ihre Grundrechte. Wir wollen diese Werte konkret realisiert sehen.

Die Informatik erlaubt all dies in ihren Systemen. Wir müssen die Freiheitsgrade der Technik ausnutzen, aber vor allem müssen wir den politischen Willen dafür aufbringen. Wir wollen tatsächlich mutig sein und mit dieser Konferenz dazu beitragen, eine neue, bessere Welt für alle Menschen zu erdenken um sie dann zu bauen.

Vorträge

FR 28.09.2018

16:00 Uhr

Eröffnung

Von und mit der FIfFKon-Kernorga und dem FIfF-Vorsitzenden Stefan Hügel

16:30 Uhr

Welt ➡ Modell ➡ Einschreibung ➡ Welt'

Gehalten von Daniel Guagnin und Jörg Pohle

17:30 Uhr

Cyber-Sicherheit in der Digitalisierung – eine Herausforderung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft

Gehalten von Timo Hauschild

Cyber-Sicherheit stellt eine Vorbedingung für das Gelingen der Digitalisierung dar. Dass die Gewährleistung von Sicherheit im digitalen Raum eine zentrale Herausforderung darstellt, zeigt der Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland des BSI in jedem Jahr eindrücklich.

Das BSI arbeitet mit verschiedenen Akteuren aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam daran, den Risiken wirksame und umsetzbare Sicherheitsmaßnahmen entgegenzusetzen und die Widerstandsfähigkeit Deutschlands gegen Cyber-Gefahren zu erhöhen. Herr Dr. Timo Hauschild, Fachbereichsleiter für Cyber-Sicherheit für Wirtschaft und Gesellschaft, wird in seinem Vortrag u.a. auf die aktuelle Cyber-Sicherheitslage in Deutschland eingehen, die Rolle des BSI als die nationale Cyber-Sicherheitsbehörde vorstellen sowie präventive Schutzmaßnahmen im Bereich der Kritischen Infrastrukturen erläutern.

18:30 Uhr

Digitale Entmündigung und „UserExperience Design“. Über Nudging, Tracking und Infantilisierung im Netz

Gehalten von Rainer Mühlhoff

Die letzten 10 Jahre haben nicht nur den Durchbruch von Smartphones, Cloud-Diensten und Künstlicher Intelligenz gebracht. Zeitgleich ist im Netz eine universelle Infrastruktur zum Sammeln von Bewegungs- und Nutzungsdaten entstanden, der zu entkommen längst auch für versierte User schwierig geworden ist.

Mein Vortrag wird sich mit den gesellschaftlichen Folgen undsozialen Dimensionen dieser Datenaggregation beschäftigen. Eine zentrale Rolle spielt dabei – vielleicht unerwartet – ein genauerer Blickauf die Praktiken des User Experience Designs. Ich werde verschiedene Tricks diskutieren, wie kommerzielle Akteure ihre Nutzer dazu bringen, oft unwissentlich ihre Daten zur Verfügung zustellen. Ich werde diskutieren, wie diese Daten dazu verwendet werden, Nutzerverhalten vorherzusagen und zu beeinflussen. Unter demSchlagwort „digitale Entmündigung“ werde ich argumentieren, dass es in der aktuellen Netzkultur eine systematische Tendenz dazu gibt, die User ihrer Fähigkeit zum verständigen und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Diensten zu berauben. Mit Blick auf die Datenschutzdebatte werde ich schließlich das politische Problem massenweiser, prinzipiell auch anonymisierter Datensammlung scharfstellen und auf die Dimension sozialer Ungleichheit und automatisierter Selektion eingehen, die durch prädiktive Verhaltensanalytik und Profilbildung möglich wird.

19:30 Uhr

Abendpause

Speis & Trank

20:15 Uhr

Die Grenzen der Automation durch Künstliche Intelligenz: Wie wissen wir, was automatisiert werden kann und was nicht?

Gehalten von Hendrik Heuer und Karen Ullrich

Während in Statistikkursen ausdrücklich davor gewarnt wird, eine Regressionsanalyse für Bereiche einzusetzen, die außerhalb des Messbereichs liegen, werden die Limitationen von Machine Learning-System selten problematisiert.

Insbesondere in populärwissenschaftlichen Darstellungen und außerakademischen Anwendungen fehlt eine Sensibilität für die Grenzen der Systeme und mögliche Verzerrungen, die durch Daten und Modellierungsannahmen entstehen können. An konkreten Beispielen zeigen wir die Probleme der Annahme, dass Machine Learning-Systeme universell einsetzbar sind.

21:00 Uhr

Podiumsdiskussion zum Thema künstliche Intelligenz

Mit Aljoscha Burchardt, Constanze Kurz, Sybe Rispens und Karen Ullrich

22:00 Uhr

Bunte Bar

Getränke

SA 29.09.018

10:00 Uhr

Konstellationen neu verteilter Gestaltungsmacht – Lehren für die Informatik?

Gehalten von Werner Rammert

Wer oder was gestaltet eigentlich auf welche Weise die Produkte der Informatik? Wie verteilen sich die Machtkonstellationen von der Entwicklung über die Einrichtung bis hin zur massenhaften Nutzung jeweils neu?

Sind es die Visionäre und Pioniere der Informatik? Oder die Entrepreneure disruptiver Innovation? Oder die politischen Regulierer demokratisch legitimierter Repräsentanten oder autokratischer Regime? Oder die Masse der User und ihre alltäglichen Praktiken? Diese großen Fragen werden anhand kleiner Fallstudien zur Konstruktion von Expertensystemen, zur Sozionik verteilter Agenten und zum Profiling in Überwachungssituationen exemplarisch geklärt.

11:00 Uhr

Besser steuern durch Daten? - Zur Performativität soziotechnischer Systeme und der Quantifizierung der sozialen Welt

Gehalten von Judith Hartstein und Anne K. Krüger

12:00 Uhr

Die DSGVO: Eine kommentierte Reise durch die (Un)Tiefen des juristischen Feuilletons – Launige Bilanz nach vier Monaten Geltung

Gehalten von Kirsten Bock und Malte Engeler

Vom Foto-Verbot zum Ende strukturierter Visitenkartensammlungen. Vom großen Blogsterben zu Zahnärzten und ihren Datenschutz-Tonbandansagen. Von überforderten Aufsichtsbehörden zu jubelnden Silicon Valley Riesen:

Die DSGVO hat all den bekannten Kontroversen des Datenschutzrechts neuen Diskussionsstoff gegeben. Die Twitter-Szene hat die großen, kleinen (und vermeintlichen) Aufreger dankend aufgegriffen. Kirsten Bock und Malte Engeler begeben sich anhand ausgewählter Tweets auf eine kommentierte Twitter-Reise durch die Untiefen des DSGVO-Wahnsinns.

13:00 Uhr

Mittagspause

Speis & Trank

14:00 Uhr

The Secret Military History of the Internet (en)

Gehalten von Yasha Levine

15:00 Uhr

Netzwerkdienste für sozial-liberale Gesellschaften

Gehalten von Christian Grothoff

Welche politischen Anforderungen könnten wir an neue Netzwerktechnik stellen? In diesem Vortrag sollen die politischen Anforderungskataloge für das GNU Name System und GNU Taler kurz vorgestellt werden. Danach zeigen wir, wie diese Anforderungen technisch umgesetzt wurden.

16:00 Uhr

Jahresrückblick des FIfF

Eine freudige Panoramafahrt durch das FIfF-Jahr.

17:15

Weizenbaum-Studienpreisvergabe des FIfF

Mit Vorträgen der PreisträgerInnen

18:30 Uhr

Weizenbaum-Medaille des FIfF

Mit Vortrag der geehrten Person

19:30 Uhr

Abendpause

Speis & Trank

20:30 Uhr

Kybernetik und Kontrolle – Von der autoritären Nutzung von Daten in China und anderswo

Gehalten von Katika Kühnreich

In den letzten Monaten kam die Berichterstattung über die Einführung von Digitalen Gesellschaftlichen Bewertungssystemen (Social Credit Systems) in China in Fahrt, leider auch mit mancher Fehlberichterstattung.

Die Politikwissenschaftlerin und Sinologin Katika Kühnreich gibt in ihrem Vortrag eine Übersicht über existierende Systeme und ihre Funktionen. Doch sie bleibt nicht in China stehen, sondern wirft die Frage auf, wie stark die Tendenz zu Überwachung und autoritären Steuerung von Gesellschaften auch in westlichen Ländern existiert. Bei der Erörterung von sozialen und politischen Auswirkungen wird ein Schwerpunkt auf die Rolle der Kybernetik gesetzt.

21:30 Uhr

Bunte Bar

Getränke

SO 30.09.2018

10:00 Uhr

Mitgliederversammlung

Öffentliche Mitgliederversammlung des FIfF, schaut vorbei.

11:00 Uhr

Gemeinwohlorientierte Smart Cities (Arbeitstitel)

Gehalten von Annette Mühlberg

12:00 Uhr

Völkerverständigung ist Volksmacht plus Vernetzung der ganzen Welt

Gehalten von Volker Grassmuck

Das Versprechen jeder Kommunikationsverbindung vom Telegraphen über das Radio bis zum Internet ist, dass die Angeschlossenen durch ihren Austausch zu einem gemeinsamen Verständnis kommen. Heute ist die Welt global vernetzt wie nie.

Doch statt Horizonterweiterung und Neugier auf Vielfalt erleben wir Xenophobie, Grenzschließungen und eine Internationale der Nationalisten. Die Koevolution von technischen, psychischen und sozialen Systemen läuft selten wie geplant. Wie kann da die Informatik ihrer Selbstverpflichtung nachkommen, Handlungsalternativen im Hinblick auf die absehbaren Wirkungen und möglichen Folgen ihrer Systeme aufzuzeigen?

13:00 Uhr

Mittagspause

Speis & Trank

14:00 Uhr

POTs: The revolution will not be optimized? (en)

Gehalten von Seda Gürses

In the 90s, software engineering shifted from packaged software and PCs to services and clouds, enabling distributed architectures that incorporate real-time feedback from users. In the process, digital systems became layers of technologies metricized under the authority of objective functions.

These functions drive selection of software features, service integration, cloud usage, user interaction and growth, customer service, and environmental capture, among others. Whereas information systems focused on storage, processing and transport of information, and organizing knowledge —with associated risks of surveillance— contemporary systems leverage the knowledge they gather to not only understand the world, but also to optimize it, seeking maximum extraction of economic value through the capture and manipulation of people’s activities and environments. The ability of these optimization systems to treat the world not as a static place to be known, but as one to sense and co-create, poses social risks and harms such as social sorting, mass manipulation, asymmetrical concentration of resources, majority dominance, and minority erasure. In the vocabulary of optimization, these harms arise due to choosing inadequate objective functions. During the talk, I will provide an account of what we mean by optimization systems, detail their externalities and make a proposition for Protective Optimization Technologies.

15:00 Uhr

Update des Staatstrojaners (Arbeitstitel)

Gehalten von Constanze Kurz

15:55 Uhr

Abschlussveranstaltung

Schlussworte und Reflexionen

Workshops

SA 29.09.2018

10:30 - 13:00 Uhr

Datenschutzfreundliche Smartphone-Anwendungen ohne Kompromisse? – Diskussion und Projektschaukasten.

Mit Daniel Guagnin, App-pets Projekt

#1 Wir beginnen mit einer Diskussionsrunde mit dem Titel: Mehr Datenschutz für Smartphones - bringt uns die DSGVO endlich einen Durchbruch?

Seit langer Zeit werden technische Datenschutzlösungen entworfen und entwickelt, aber häufig mangelt es an der produktiven Einbindung in konkrete Produkte und marktfähige, leicht nutzbare Produkte für Endanwender*innen. Die neue Datenschutzregulierung wendet sich nun auch an die Produkthersteller und schreibt Datenschutz durch Technikgestaltung vor. - Wie wirkt sich das aus auf Markt und Entwicklung?

Mit Expertinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Recht wollen wir unter anderem über folgende Fragen diskutieren:
+ Wie ist der aktuelle Stand bezüglich des Datenschutzes auf mobilen Geräten?
+ Ist Datenschutz weiter nur etwas für Idealisten oder ein echtes Geschäftsinteresse?
+ Wie haben sich rechtliche Vorgaben verändert und wie wirkt sich das auf Entwicklung und Markt aus?
+ Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen, die Datenschutz auch technisch umsetzen möchten?

Es diskutieren mit uns:
+ Seda Gürses, KU Leuven/NYU
+ Harald Zwingelberg, Unabhängiges Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein
+ Wulf Bolte, Gründer und CTO im Bereich Datenschutz, Media Test Digital
+ Gregoire Marino, Trust & Safety Beauftragter, Clue/Biowink
+ Tobias Müller, UHH Hamburg

Moderation: Judith Hartstein, DZHW Berlin (angefragt)

#2 Anschliessend gibt es einen Projektschaukasten: Aktuelle Lösungsansätze für mobilen Datenschutz

Eine Reihe von Projekten beschäftigen sich aktuell mit Lösungsansätzen für mehr Datenschutz im Bereich mobiler Anwendungen. Einige Forschungsprojekte werden daher ihre Ansätze präsentieren. In einer Einstiegsrunde werden die Projekte kurz vorgestellt, anschließend stehen die einzelnen Projekte mit Demonstratoren oder Postern für Fragen zur Verfügung.

Projekte:

+ EMIDD („Einwilligungsmanagement für das Internet der Dinge“) [3] Max-Robert Ulbricht, TU Berlin
+ AN.ON-Next. Anonymität Online der nächsten Generation [4] Martin Byrenheid, TU Dresden
+ Credential. Secure Cloud Identity Wallet, [5] Olaf Rode, Fraunhofer FOKUS
+ AppPETs. Datenschutzfreundliche Smartphone Anwendungen ohne Kompromisse, [1]
Max Blochberger UHH, Arik Messermann TU Berlin
Harald Zwingelberg, ULD Kiel
+ PARADISE. Privacy Enhancing And Reliable Anti-Doping Integrated Service Environment [6]
(tba)

14:00 - 15:30 Uhr

Datengovernance

Mit Dieter Klumpp

15:30 - 17:00 Uhr

Selbst eine CryptoParty veranstalten, aber wie?

Mit Cryptoparty Berlin

20:15 - 21:30 Uhr

Können Softwarelizenzen zur Cyberrüstungskontrolle beitragen?

Mit Volker Roth

In diesem Workshop diskutieren wir die Frage, ob und inwieweit Softwarelizenzen dazu beitragen können, die Aufrüstung des Cyberraumes zu kontrollieren oder zu begrenzen, Cyberangriffe zu attributieren und die Effekte von Cyberangriffen auf zivile Ziele einzugrenzen, so wie das Völkerrecht dies verlangt.

Wir gehen von der Annahme aus, dass freie und quelloffene Software (FOSS) sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich eine zunehmende Bedeutung erlangt und wagen ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn ein substanzieller Anteil der Software, die derzeit unter einer FOSS Lizenz steht, zu einer Lizenz mit einer Ausschlussklausel für militärische Nutzung wechseln würde? Wenn dies dazu führen würde, dass militärische und zivile Systeme in ihrer Entwicklung divergieren, und auch deren Schwachstellen divergieren, dann würde der Umstand eines erfolgreichen Cyberangriffes bereits die Art des Zieles identifizieren. Die Nutzung einer Schwachstelle in einem zivilen System, die nicht gegen ein militärisches System funktioniert, würde daher erkennbar das Völkerrecht verletzen. Der irrtümliche Angriff eines falsch identifizierten Zieles wäre somit ausschliessbar. Im Rahmen dieser Diskussion betrachten wir exemplarisch existierende Ausschlussklauseln für militärische Nutzung von Software und zeigen auf, wo weiterer Forschungsbedarf besteht, um das Potential der genannten Lizenzanwendung zu ergründen. Wir diskutieren weiterhin, inwieweit die Nichtbeachtung von Ausschlussklauseln für Staaten ein Vorteil oder ein Nachteil darstellen könnte. Ausserdem diskutieren wir die Frage, wie militärische Nutzung und zivilen Nutzung in einem Lizenztext voneinander abgegrenzt werden könnten.

ReferentInnen

Kirsten Bock

Datenschutzjuristin · Standard-Datenschutzmodell, Grundrechte-fokussierte Verfahren

Aljoscha Burchardt

Computerlinguist · Deutsches Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz

Cryptoparty Berlin

Malte Engeler

Datenschutzjurist · Richter, Datenschutztheorie

Volker Grassmuck

Mediensoziologe · Infrastrukturen öffentlich-rechtlicher Medien, Publizist

Christian Grothoff

Softwarearchitekt · IT-Security, Privacy, GNUnet/GNU-Taler

Daniel Guagnin

Soziologe · Freie/Libre Open Source Software Communities, Privacy und Datenschutz

Seda Gürses

Informatikerin · Privatsphäre, Plattformen und IT-Design

Judith Hartstein

Wissenschaftsforscherin · Wissensproduktion, Publikationsnetzwerke

Timo Hauschild

IT-Sicherheit · Cyber-Sicherheit für Wirtschaft und Gesellschaft beim BSI

Hendrik Heuer

KI-Wissenschaftler · Verzerrungen (Bias) in Daten und Modellen

Dieter Klumpp

Wissenschaftspublizist · Wissenschaftsmanager

Anne K. Krüger

Kultur- und Wissenssoziologin · Bewertungsprozesse in sozialen Kontexten

Katika Kühnreich

Politikwissenschaftlerin und Sinologin · Social Credit System in China

Constanze Kurz

Informatikerin · kritische Informatik, Chaos Computer Club, Netzpolitik.org, Autorin

Yasha Levine

Investigativer Journalist · Autor “Surveillance Valley"

Annette Mühlberg

Gewerkschafterin · Projektgruppe „Digitalisierung“ bei ver.di, gemeinwohlorientierte Smart City

Rainer Mühlhoff

Philosoph & Informatiker · kritische Theorie, Machttheorie und Subjektivität

Jörg Pohle

Informatiker · Informationsmacht, Datenschutzhistorie und Modellifizierungsforschung

Werner Rammert

Techniksoziologe · Bedingungen der Technikentwicklung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft

Volker Roth

Informatiker · IT-Sicherheit und Gesellschaft, Psychologie

Sybe Rispens

Technikphilosoph · Maschinelles Urteilen, kritische Informatik

Karen Ullrich

KI-Wissenschaftlerin · maschinelles Lernen, gesellschaftliche Auswirkungen

Das FIfF

Liebe Interessierte,

unser Verein gründete sich vor 34 Jahren aus einer historischen Situation heraus, als es galt, das Schweigen einer Zunft zu brechen, die so maßgeblich an der Entwicklung automatisierter und informatisierter Kriegsführung beteiligt war. Die Gründungsmitglieder leisteten dem NATO-Doppelbeschluss offen Widerstand, sie wollten die Informations- und Kommunikationstechnologie vor allem als Mittel der Völkerverständigung genutzt wissen.

Wir sehen uns bei all der um sich greifenden und ausufernden Technikgläubigkeit in der Verantwortung, auf die Missstände einer von der Informatik geprägten Gesellschaft hinzuweisen und an der humanitären Gestaltung der »Digitalen Gesellschaft« konstruktiv mitzuwirken.

Mit dieser Konferenz führen wir vom FIfF e. V. gemeinsam mit Ihnen unser politisches und wissenschaftliches Engagement fort.

Wir wollen ...

... dass Informationstechnik im Dienst einer lebenswerten Welt steht. Deshalb

  • warnen wir die Öffentlichkeit vor Entwicklungen in unserem Fachgebiet, die wir für schädlich halten;
  • setzen wir möglichen Gefahren eigene Vorstellungen entgegen;
  • kämpfen wir gegen den Einsatz der Informationstechnik zur Kontrolle und Überwachung;
  • engagieren wir uns für eine Abrüstung der Informatik in militärischen Anwendungen;
  • fördern wir die Entwicklung von ökologisch verträglichen Wirtschaftskreisläufen mit Hilfe von Informationstechnik;
  • unterstützen wir die menschengerechte Gestaltung von Arbeitsprozessen;
  • setzen wir uns bei Gestaltung und Nutzung der Informationstechnik für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen ein;
  • arbeiten wir gegen die Benachteiligung von Frauen in der Informatik;
  • wehren wir uns gegen jegliche rassistische und sexistische Nutzung oder andere diskriminierende Nutzung der Informationstechnik;
  • setzen wir der Vorherrschaft der Ökonomie eine humane und ökologische Orientierung entgegen.

Wir sind ...

... etwa 700 engagierte Menschen aus Wissenschaft und Praxis. Wir sind Fachleute der Informatik und Informationstechnik. Wir denken bei unserer Arbeit auch über deren Konsequenzen nach. Wir wissen, dass nicht alle Probleme technisch lösbar sind. Wir heißen alle willkommen, die Informationstechnik verwenden oder sich Gedanken über ihre gesellschaftliche Rolle machen.

Diese Konferenz veranstalten wir in freundlicher Kooperation mit dem CCC (Fundament), dem c3voc (Mitschnitte), mit d1zz1 (Licht und Lounge), dem Fachbereich Informatik und Gesellschaft und der Fachgruppe Informatik und Ethik der Gesellschaft für Informatik (Reisekraft) sowie Uberspace.de (Webhosting).

Allen, die sich mit Informatik und Informationstechnik beschäftigen – in der Ausbildung im Beruf oder danach, in Wissenschaft und Praxis – wollen wir ein Forum für eine kritische und lebendige Auseinandersetzung bieten – offen für alle, die mitarbeiten möchten oder auch einfach nur informiert bleiben wollen.

Unsere Arbeit wird vom FIfF-Vorstand koordiniert. In wissenschaftlichen Fragen unterstützt uns der Beirat des FIfF. Wir kooperieren mit zahlreichen in- und ausländischen Initiativen und Organisationen.

In zahlreichen Veröffentlichungen dokumentieren wir unsere Arbeit. Die kritische Computerzeitung FIfF-Kommunikation erscheint vierteljährlich. Aktuelle Informationen und Diskussionen gibt es in der FIfF-Mailing-Liste.

Alle unsere Werke und Veranstaltungen atmen den Geist des Humanismus; Diskriminierungen gleich welcher Art haben dort folglich keinen Platz und werden auch nicht toleriert.

Mitglied werden

Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert, findet hier unsere Satzung und ein Anmeldeformular.

Weitere Informationen ...

... sowie Publikationen aus der Wissenschaftsdisziplin »Informatik & Gesellschaft« findet ihr auf unserer offiziellen Webseite unter www.fiff.de.

Unsere Konferenzen und Jahrestagungen der letzten Jahre

Anmeldung!

Die Konferenz kostet keinen Eintritt, damit wir aber ein wenig planen können, würden wir uns über eine Anmeldung sehr freuen.

Kontakt

#FIfFKon18

TU Berlin, Mathematikgebäude
Straße des 17. Juni 136
10587 Berlin
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FIfF

Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e. V.
Goetheplatz 4
28203 Bremen

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